31.05.19

Emil Fischer. Vielleicht der größte Wissenschaftler, den wir je hatten.

Foto: rainStein

Tatsächlich, es sind bald 100 Jahre. Es waren reichlich chaotische Tage in Berlin, denn der Krieg war am Schluß doch noch in die Hauptstadt gekommen, als Revolution, und hatte alle durcheinander geschüttelt. Hungerzeiten waren es und die Menschen blieben erschöpft zurück von all den Versuchen, zu überleben, den Alltag zu organisieren, die Toten zu betrauern.
Erschöpft war auch Emil Fischer.
Jahrelang hatte er seinem Volk geholfen, den Krieg materiell durchzuhalten - mit Ersatzstoffen für alles und jedes, Ersatznahrung, Ersatzbrennmaterial, Ersatzkleidungsstoff, - und neuen Medikamenten.
Nicht, daß er seiner Erschöpfung nachgegeben hätte. Er, der um seine Frau und zwei Söhne trauerte, war buchstäblich Tag und Nacht auf den Beinen, um zu arbeiten, zu forschen, zu erfinden, Hochleistungslabore zu bauen, Begabte zu fördern und auszubilden, sinnvolle Wissenschaft zu organisieren. Deutschlandweit. Er war der absolute, bewunderte, unangefochtene Spitzenmann der deutschen Wissenschaft, ein König nicht nur seiner Disziplin: der Chemie.
Er hatte die Bausteine des Lebens entdeckt. Und den Weg, diese Bausteine künstlich nachzubauen.
Er war der Nobelpreisträger, seit 1902. Man kannte ihn in allen Ländern, auf allen Kontinenten. Emil Fischer aus Berlin. Der Freund der Juden. Der Freund in Feindesland.

Als ein Freund ihm die Diagnose mitteilte - die neuartigen Medikamente würden ihn nicht retten - ordnete er seine Angelegenheiten, nahm noch an Sitzungen teil, in der Nacht verabschiedete er sich vom einzigen verbliebenen Sohn, seiner Haushälterin - und nahm sich das Leben.

Er ist in Berlin-Wannsee begraben.
In der Straße Zum Löwen/Ecke Emil-Fischer-Straße erinnert ein rainStein-Schaukasten an ihn.

Dörthe Kähler: "Der Nobelpreisträger. Emil Fischer in Berlin." rainStein 2009

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